23.07.17

Retrospektive: Als der Weltkrieg Kasse machte - Die Ära der Kriegsepen im Kino

Über vierzig Jahre ist es her, dass Jahr um Jahr vor allem ein Thema das Publikum in Scharen in die Kinos zieht: Die großen, epischen Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Ardennenoffensive, „Operation Market Garden, Dünkirchen, Luftschlacht über England; überall stehen Brücken die erobert oder zerstört, gebaut oder verteidigt werden wollen, Helden im Siegestaumel und am Rande der Niederlage, Gefangenenlager, Attentate, Intrigen und jede Menge Tod.
Kein Star jener Zeit kann sich dem Phänomen entziehen, viele von ihnen spielen nicht nur in einem großen Weltkriegsfilm mit, sondern in mehreren – der Bedarf an Topstars ist sonst kaum noch zu decken.
Und was häufig in Vergessenheit gerät: Nicht wenige der Filme gehen durchaus kritisch mit dem Selbstbild der Aliierten um, und bemühen sich, statt stumpf-böse Nazis zum Kanonenfutter zu verarbeiten, wenigstens ansatzweise objektiv die Perspektive der Deutschen einzubeziehen.
Wir blicken zurück auf eine Ära des Kinos, die eine menschliche Tragödie ungeahnten Ausmaßes finanziell, wie auch philosophisch verarbeitet ...
Quelle: Blu Ray „Die Brücke von Arnheim“ © Twentieth Century Fox

17.05.17

Kinokritik: Alien: Covenant (USA 2017) – Die Erschaffung der Zerstörung

Als Ridley Scott 2012 mit PROMETHEUS ins ALIEN-Universum zurückkehrt, versucht er etwas ganz neues. Statt reinem Monsterfilm soll PROMETHEUS ein im selben Universum angesiedelter philosophischer Science-Fiction-Streifen über die Frage sein, woher wir kommen – und wohin wir gehen.
Das fliegt ihm ordentlich um die Ohren. Unausgegorene Figuren am Rande der Dämlichkeit und eine narrative Struktur, die sich nie zwischen Monsterfilm und Philosophieausflug entscheiden kann, machten aus PROMETHEUS ein äußerst halbgares Experiment.
Jetzt hat Scott aus seinen Fehlern gelernt und versucht es noch einmal. ALIEN: COVENANT ist eine geglückte Fortsetzung von PROMETHEUS und bildet einen ungewöhnlichen, aber stabilen Hybriden, der manchmal ein bisschen Monsterfilm, aber immer eine bis obenhin mit Symbolismus vollgestopfte, philosophische Sci-Fi-Novelle ist.
© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

16.05.17

Serienblick: Twin Peaks (USA 1990) – Dämonen, Kaffee und die Revolution

Es ist besser, nicht zu viel darüber zu wissen, was Dinge bedeuten oder wie man sie deuten soll, sonst bekommt man zu viel Angst, Dinge einfach geschehen zu lassen. Psychologie zerstört das Geheimnis, die Art von magischer Qualität. Sie kann auf bestimmte Neurosen und bestimmte Dinge reduziert werden, und wenn man es erst einmal benannt und definiert hat, hat es seine geheimnisvolle Aura verloren, und damit das Potential für eine weite, unendliche Erfahrung.
- David Lynch
© Paramount (Universal Pictures)

11.05.17

Porträt: Margaret Rutherford – Frühe Träume, später Ruhm

Sie werden nie einen Komödianten finden, 
der nicht auch einen starken Hang zur Traurigkeit hat.
Quelle: DVD „Blithe Spirit“ © Global Entertainment (Bisher keine deutsche Heimkinoauswertung)

24.04.17

Porträt: Barbra Streisand – Kampf um künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit

„Beim Film, wo alle Macht in den Händen von Männern liegt, werden teuflische Machtkämpfe ausgetragen. Wenn eine Frau den Dreh unterbricht, um sich die Nase zu pudern, dann ist man ungeduldig und rollt mit den Augen. Wenn ein männlicher Schauspieler die Dreharbeiten unterbricht, um sich die Haare zu kämmen, dann ist das in Ordnung. Ich spüre diese unterschiedliche Betrachtungsweise andauernd. Ich hatte Ideen, und ich habe sie ausgedrückt, aber weil ich eine Frau war, wurde ich missachtet. Es gibt dieses Vorurteil gegenüber Schauspielerinnen. Sie sollen hübsch aussehen und ihren Text aufsagen, dann ihren Mund halten und nach Hause gehen.
Quelle: Blu Ray Is' was, Doc? © Warner Home Video

21.04.17

Kinokritik: The Founder (USA 2016) – Einmal Big Mac ohne Moral

Jemand hier, der McDonald's nicht kennt? Falls ja, wird sich das mit diesem Film ändern.
Allen anderen bietet sich hier ein durchaus unterhaltsamer Abriss darüber, wie aus einer winzigen Burgerbratbude am Rande der Wüste das größte Fast-Food-Imperium der Welt wurde.
Das ist interessant erzählt und herausragend gespielt, filmisch jedoch etwas trocken und moralisch nicht sehr appetitlich im Abgang.
© Splendid / Tobis

20.04.17

Porträt: Helmut Käutner – Auf der Suche nach dem Guten im Menschen

„So ist das Werk Helmut Käutners von Diskontinuität geprägt. Er wechselte die Genres wie manche ihre Kleider wechseln, und er konnte es natürlich nie allen recht machen. So gibt es denn von Helmut Käutner am Ende elf Melodramen, zehn Komödien, sechs Zeitfilme, fünf Literaturverfilmungen, zwei Satiren und ein Biopic (LUDWIG II.). Aber gibt es einen Stil, der diese Genres verbindet? Das ist unter Filmhistorikern strittig.“
- Auszug aus der Rede im Zeughauskino zum 100. Geburtstag Helmut Käutners
Quelle: DVD "Derrick Collector's Box Vol. 1", Folge 6: "Nur Aufregungen für Rohn" © Universal

08.03.17

Kinokritik: Moonlight (USA 2016) – Entscheide, wer du sein willst

Drei Stationen eines ganz normalen Lebens – doch so zauberhaft erzählt, dass es einem fast wie ein Märchen erscheint.
Und das nicht von ungefähr. Denn MOONLIGHT berichtet aus einem Milieu, dessen Bewohner im Grunde keine Chancen erhalten; deren Leben vorherbestimmt sind – und erinnert uns gleichzeitig daran, dass wir selbst es in der Hand haben, wer oder was wir sein wollen. 
Warum das kleine, wunderbar unaufgeregte Drama tatsächlich einer der besten Filme des Jahres ist, und wieso er es dennoch so schwer haben wird, erklären wir euch in unserer Filmkritik.
© DCM

07.03.17

Train to Busan (KR 2016) – Siegeszug des Humanismus

„Ich habe mir diesen Film nicht ausgesucht, um mein Image anzupassen oder um eine neue Seite an mir zu zeigen. Stattdessen entschied ich mich dafür, weil es der erste Zombie-Blockbuster in Korea ist, und ich denke, es ist bedeutsam, neue Dinge im Kino auszuprobieren.”
- Yoo Gong
© Splendid Film/WVG

01.03.17

Kinokritik: Logan (USA 2017) – Schmerzvolles Ende einer Ära

Es ist ein Abschied in Blut und Schmerz.
Vor siebzehn Jahren ebneten Patrick Stewart als Professor Charles Xavier und Hugh Jackman als Wolverine in Bryan Singers bahnbrechendem X-MEN dem Superheldenkino den Weg. Jetzt verabschieden sich beide Urgesteine von ihren ikonischen Rollen. Und das in dem vielleicht bisher besten Film, der auf Grundlage der Marvel Comics bisher ins Kino kam. LOGAN ist düster, poetisch, blutig, und ganz und gar hemmungslos wehmütig.
Ein schmerzhafter Abschied für die Fans. Und endlich, im dritten Anlauf, ein Wolverine Stand-Alone-Film, der uneingeschränkt zu empfehlen ist.
© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

26.02.17

Kinokritik: Boston (USA 2017) - Terror und Alltag

Es gilt, neben dem 11. September 2001, als das größte islamistisch motivierte Attentat auf amerikanischem Boden: das Bombenattentat während des Boston Marathons am 15. April 2013.
Peter Bergs neuer Film BOSTON widmet sich dem Anschlag auf vielschichtige Weise: Neben einer minutiösen Darstellung der Tat selbst und vor allem der sechstägigen, polizeilichen Jagd auf die Täter, findet er auch noch jede Menge Raum, um zu zeigen wie das stolze Boston auf den blutigen Angriff auf ihre Freiheit und ihren Alltag reagiert: mit Selbstbewusstsein und Geschlossenheit.
Leider wird genau das den Film in deutschen Kinos etliche Zuschauer kosten.
© Studiocanal GmbH Filmverleih

23.02.17

Wir entdecken die Welt - Duoscope feiert 3. Geburtstag

Es ist schon wieder soweit - wir feiern einen weiteren Geburtstag!
Wir können es selbst kaum glauben, doch heute ist es bereits drei Jahre her, dass wir unsere ersten fünf Artikel ins Netz gestellt haben - und wir hätten die Abenteuer nie für möglich gehalten, die wir seither Jahr für Jahr erleben.
Also, nehmt euch ein Küchlein, in der Küche steht Saft, und dann quatscht eine Weile mit uns. Später gibt es noch Topfschlagen!
© Duoscope – Der etwas andere Filmblog

21.02.17

King Kong (USA 1933) Teil 2 – Die Herrschaft des Königs

Acht Monate Drehzeit, dazu ein halbes Jahr Vorbereitungen, nie gesehene Spezialeffekte und eine Story, die sich hemmungslos der Sehnsucht nach exotischen Abenteuern verschreibt – KING KONG ist eines der aufwändigsten Kinoprojekte seiner Zeit.
Entsprechend immens ist auch der Erfolg des Films. Und der reißt nicht ab.
Bis heute übt der Riesengorilla aus der unerforschten Wildnis, der am Ende durch eine der modernsten Städte der Welt wütet um eine wunderschöne weiße Frau zu finden, eine ungebrochene Faszination auf das Publikum aus. KING KONG wohnt etwas Urwüchsiges inne, das immer exotischer wird in unserer immer moderneren Welt.
Welch enorme Auswirkungen KING KONG bis heute auf die Film- und Popkultur hat, welch treue Fangemeinde sich um den Riesenaffen scharrt, und was dem modernen Publikum an dem Klassiker heute sauer aufstößt, erkunden wir in Teil 2 unseres Rückblicks auf den einzig wahren KING KONG.
© STUDIOCANAL

19.02.17

King Kong (USA 1933) Teil 1 – Von Drachen, Armut und Abenteurern

Kaum ein Film ist derart ikonisch wie KING KONG. Selbst wer nie einen der mittlerweile zahlreichen Streifen rund um „Kong“ gesehen hat, kennt die Bilder des Riesenaffen, der mit einer weißen Frau in der Hand aufs New Yorker Empire State Building steigt, und dort gegen ein Geschwader Flugzeuge kämpft.
Bei aller Faszination, die Kong heute noch hervorruft, ist es inzwischen kaum noch vorstellbar, welche Wucht das Original besitzt, als es im März 1933 in die amerikanischen Kinos kommt. KING KONG wird ein Erfolg der Superlative und der Rekorde, der das Spektakelkino in ganz neue Sphären hebt und Kinostandards setzt, die bis heute gelten. Kurz: KING KONG wird der erste Kinoblockbuster überhaupt.
Einen Giganten wie KING KONG artgerecht vorzustellen, sprengt unseren Rahmen – weshalb wir beschlossen haben, dem König des Großstadtdschungels den Platz einzuräumen, der ihm gebührt, und ihm einen Zweiteiler zu widmen.
In diesem ersten Teil widmen wir uns der Frage, wie der Riesengorilla Kong in die New Yorker Kinos kam – eine Geschichte, nicht weniger abenteuerlich und legendenumwoben als der Film selbst.
© STUDIOCANAL

08.02.17

Kinokritik: Jackie (CL, FR, USA 2016) – Die kalkulierte Trauer

„Lass es nicht vergessen werden, dass es einst einen Ort gab, für einen kurzen leuchtenden Moment, der als Camelot bekannt war.“
© Tobis

29.01.17

Porträt: M. Night Shyamalan – Der Meister der erfüllten Erwartungen

Ich verehre Hitchcock für seinen Stil, seine Kompositionen. Heute werden Filme anders entwickelt: Wir können mithilfe der Technologie alles Mögliche zusammentragen und uns später überlegen, wie wir daraus einen Film machen. Man kann im Nachhinein einfacher etwas ändern, wenn das Publikum in Testvorführungen beispielsweise mehr Action sehen möchte. So muss man nicht mehr alles im Voraus planen und Szene für Szene entwickeln. Aber genau darum geht es mir: einen Film in meinem Kopf entstehen zu lassen, bis ins kleinste Detail. Hitchcock ist dahingehend mein großes Vorbild.
Quelle: "Split" © Universal Pictures International Germany GmbH

27.01.17

Kinokritik: Split (USA 2016) – Cleveres Kammerspiel in Kopf und Keller

Mit SPLIT startet gerade M. Night Shyamalans zwölfter Spielfilm im Kino. Und wir nehmen vorweg, dass er ganz hervorragend geworden ist. Eine clevere Mischung aus Thriller und Drama, ein Hauptdarsteller in Bestform, ein Script, dass sicherlich einige unverbesserliche "THE SIXTH SENSE war besser"-Nörgler enttäuschen wird, und ein neuer, selbstbewusster Shyamalan, der es gar nicht mehr nötig hat, nur noch mit einem möglichst pfiffigen Twist zu überraschen.
© Universal Pictures International Germany GmbH

26.01.17

Kinokritik: Star Wars - Rogue One (USA 2016) – Das wehmütige Ende der Phantasie

ROGUE ONE wurde der erwartete Kassenschlager, und in der Tat ist er ein launiger Actionstreifen, liebevoll ausgestattet und designt, eine weitere Liebeserklärung an A NEW HOPE, die über die Laufzeit ordentlich unterhält und mit viel Radau allzu laute Nachfragen übertönt.
Daneben wartet ROGUE ONE aber auch mit einem moralisch fragwürdigen Präzedenzfall auf und ist der letzte Beweis dafür, dass Disney für ihr STAR WARS Franchise jede Kreativität geopfert hat, und das einst wegweisendste Franchise der Welt dazu verdammt, im Sumpf der Nostalgie auf der Stelle zu treten.
© The Walt Disney Company Germany GmbH

20.01.17

Kinokritik: Manchester by the Sea (USA 2016) - Das dramödische Duo

Trauer und der Verlust geliebter Menschen ist eher der Stoff für schwere und tragende Dramen.
Und obwohl MANCHESTER BY THE SEA durchaus ein Drama ist, und einige wirklich tragische Momente zu bieten hat, ist er doch ein wahres, beinahe heiteres Vergnügen. Nur selten kommt man in den Genuss eines so herzerfrischend schönen Films, einer Ode an das Leben, die gleichzeitig auch schmerzlich an die Zerbrechlichkeit des Glücks erinnert.
Sehenswert wird der Film vor allem durch das nahezu perfekte Zusammenspiel seiner beiden Hauptfiguren, durch die Lebendigkeit der Gefühle und dank der Tatsache, dass das clevere Script jedes Klischee weiträumig umschifft. Schon jetzt einer unserer Topfilme des Jahres!
© Universal Pictures International Germany GmbH

07.01.17

Kinokritik: Passengers (USA 2016) – Rape-Culture im All

Vom Marketing clevererweise als Thriller verkauft, entpuppt sich PASSENGERS, kaum dass er im Kino läuft, als etwas, das man gerne als „Romanze“ bezeichnen möchte.
Dass das am Ende wenig spannend geraten ist, können wir vorwegnehmen. Viel interessanter finden wir die Frage, ob ein Film sein musste, der dermaßen die Rape-Culture bedient und sich am Ende in dem Versuch ergießt, eine handfeste Männerfantasie als schmalzige Liebesgeschichte zu verkaufen.
© Sony Pictures Releasing GmbH

01.01.17

Das Filmjahr 2016 – Spannung, Spaß und schlechte Filme

Nachdem wir uns die letzten beiden Jahre – teils mit Überlänge – über das jeweilige Filmjahr ausgelassen haben, ohne dass es sich wehren konnte, machen wir dieses Jahr alles ein bisschen anders. Wir bitten zum Feedbackgespräch, und das Filmjahr 2016 darf uns interviewen, wie wir seine Leistungen einschätzen.
Das Ergebnis ist ein „summendes“ Gespräch über Thriller, Comichelden, Darstellerleistungen und unsere Lieblingsfilme von 2016.
Collage von Duoscope - Der etwas andere Filmblog