03.01.18

Das Filmjahr 2017 – Die Elefantenrunde der Unterhaltungsparteien

Cineastische Jahresrückblicke sind immer eine spannende Sache, besonders wenn das Jahr so bewegt war wie 2017. Man möchte das Jahr mit all seinen Highlights noch einmal Revue passieren lassen, seine Lieblinge vorstellen, vielleicht einen Geheimtipp abgeben, und natürlich immer auch betonen, dass man etwas entdeckt hat, was den anderen entgangen ist – der Stolz jedes Filmbloggers.
2017 erwies sich für uns als ein Jahr der Zäsur – der sich immer weiter zuspitzende Konflikt zwischen Kino und Fernsehen erreichte dieses Jahr eine Art kritischer Masse. Erstmals seit ... vielleicht überhaupt, gelang es dem Fernsehen, dem Kino den Schneid abzukaufen. Nicht nur das Standardfernsehen, sondern vor allem die Streaming-Sender bewiesen großes Geschick darin, die Lücken mit Qualität zu füllen, die das Kino hinterlässt, und wir von Duoscope nahmen dieses Angebot dankbar an.
Und so wurde 2017 das erste Jahr, in dem wir dem Fernsehen mindestens ebenso viel Respekt zollen müssen wie dem Kino.
Um das einigermaßen kreativ in unseren Jahresrückblick einzubinden, haben wir beschlossen, auch die dritte große Quelle für Unterhaltung, surreale Plots und tiefschwarzen Humor heranzuziehen, die das Jahr zu bieten hatte die Politik. In diesem Sinne: Viel Vergnügen mit unserem ganz persönlichen, wie immer streng subjektiven Jahresrückblick 2017!
Fotocollage © Duoscope
Seit wenigen Tagen sind die Wahllokale geschlossen, die Auszählung läuft, und schon jetzt wird deutlich, dass das Jahr 2017 ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern wird.
Natürlich wird die alteingesessene „Partei der KinoUnterhaltung“, die PKU, auch dieses Jahr ordentlich Wählerstimmen abkassieren. Doch wird es erneut zur Alleinherrschaft reichen?
Denn überraschend konnte der Junge Fernsehflügel der Gegnerpartei „Couch-Potato-Entertainment“, kurz: CPE, dieses Jahr enorme Zuwächse bei den Wählerstimmen der Duoscope-Bevölkerung* verzeichnen.

(* Bestehend aus den Mitgliedern der Duoscope-Redaktion. Ihr dürft gerne eure eigene Bevölkerung gründen.)

Während die letzten Stimmen noch ausgezählt werden, bitten wir die Spitzenvertreter der „Partei der Kinounterhaltung“ PKU und der „Couch-Potato-Entertainment“ CPE zur diesjährigen Elefantenrunde ein, um einen packenden Wahlkampf und einen spannenden Schlagabtausch der Wahlprogramme zu diskutieren.

Das gigantische Jahr


Duoscope: Herr Blockbuster, Sie als Schatzmeister und Vorsitzender der PKU, „Partei der Kinounterhaltung“, Ihnen stehen bei der diesjährigen Abstimmung massive Stimmverluste ins Haus. Welche Verantwortung tragen Sie persönlich daran?

Blockbuster: Wieso erzählen Sie sowas? Das sind doch Fake-News! Wir haben ein großartiges Jahr hinter uns. Ein fantastisches Jahr. Das beste Jahr, das wir je hatten. Alle haben fantastische Arbeit geleistet. Fantastische Arbeit. Unsere Wirtschaft ist die beste und stärkste, die Welt beneidet uns, und wir werden weiterhin so viele Gewinne machen, dass wir irgendwann gar keine Lust mehr auf Gewinne haben.

Duoscope: Aber Ihr Programm war äußerst einseitig und unnachhaltig. Da fehlte es an Substanz und neuen Impulsen, und das Wahlvolk schien wenig überzeugt zu sein. Selten zuvor wurden so viele Filmvorschläge Ihres Ministeriums abgelehnt wie bei dieser Wahl.
BAYWATCH wurde von Ihnen als neuer Vorstoß in den Comedybereich gefeiert, fand aber keinerlei Zustimmung unter den Stimmungsmachern. Mit THE DARK TOWER und DIE MUMIE sind gleich zwei Franchise-Vorschläge aus Ihrer Feder noch in den Startblöcken verreckt, und TRANSFORMERS 5 erhielt so wenig Stimmen, dass Ihrem anstehenden TRANSFORMERS-Cinematic-Universe, das Sie nächstes Jahr anschieben wollten, schon jetzt keine Chancen auf die erforderliche Mehrheit eingeräumt werden, und das Wort „Franchise-Ermüdung“ in aller Munde ist.
Über 25(!) Blockbuster und Tentpoles um Superhelden, Sternenkrieger, Piraten, Transformers und andere witzige Bombastorgien haben 2017 um die Gunst der Zuschauer gebuhlt. Fast die Hälfte davon von den Studios Disney und Warner. Alle gesehen haben wir nicht, aber immerhin drei davon konnten uns überzeugen: GUARDIANS OF THE GALAXY 2, LOGAN und KONG: SKULL ISLAND.
© Walt Disney

Blockbuster: Sehen Sie, die sind schon ganz müde vom Gewinnen!

Duoscope: Das ist nicht direkt das, was das Wort bedeutet ... Außerdem: KING ARTHUR hatte einige gewagte Elemente, fand jedoch auch keine Mehrheit im Publikumskabinett, und mit ihrem erneuten Vorstoß, die STAR-WARS-Gemeinde zu versöhnen, haben Sie nicht nur einen völlig unausgegorenen, dilettantisch verfassten Entwurf vorgelegt, sondern die Zielgruppe auch tief gespalten.

Blockbuster: Das sind doch Fake-News! Wir haben die besten Filme, die größten Filme, die buntesten Filme! Unsere Filme sind der Motor der gesamten Partei. Diese Kartoffel-Partei beneidet uns lediglich um unsere großartige Entwicklung. Wir haben STAR WARS – STAR WARS ist eine große Reihe, eine populäre Reihe, es geht um Raumschiffe und viel Peng, Krach, Bumm. Die Leute lieben es. Zuschauer strömen in die Säle, wir stehen auf Platz 1. Noch nie hat eine Partei so beliebte und erfolgreiche Filme veröffentlicht wie wir. WONDER WOMAN – eine Frau! Eine wunderschöne Frau. Sie kämpft gegen Nazis. Böse Nazis.

Duoscope: Das Programm war im Ersten Weltkrieg verankert. Da gab es noch gar keine Nazis.

Blockbuster: Sehen Sie, die Leute lieben Nazis. Sogar im Ersten Weltkrieg. Das sind die besten Nazis. Und die Leute lieben die Frau. Sie ist eine beliebte Frau. Die erfolgreichste Frau, die wir je hatten. Und eine scharfe Frau! Wenn sie meine Tochter wäre, würde ich sie daten! Und GUARDIANS OF THE GALAXY. Sie bewachen die Galaxie! Und sie sind witzig. Die Leute lieben sie. Und sie sind sehr vielfältig. Außerdem ist die Frau darin grün. Eine heiße Frau, eine absolute Zehn. Die Leute lieben sie. Obwohl sie von den Grünen ist. Und einen blauen Mann. Wir haben sogar einen Zwerg mit Fell. Und Kurt Russell. Er spielt Gott. Also mich.

Duoscope: Nun, er war nicht direkt Gott, sondern eher ...

Blockbuster: Und wir haben THOR. Und zwar nicht den Hurensohn vom Fußball. Der hier spielt mit dem Feuer. Oder war es ein Blitz? Zumindest spielt er mit einem von den Grünen. Wir haben viel Raum für die Grünen, dieses Jahr. Wir lieben die Grünen. Die Grünen sind die Besten. Auch wenn der Grüne hier nicht so scharf war. Der war nur eine Drei. Aber er war witzig. Thor und Hulk waren witzig. Das wollen die Leute. Sie lieben uns.
Unser Film des Jahres: SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT ist ein wunderbares Drama, mitten aus dem Alltag, dem es gelingt, die richtigen Bilder, Stimmungen und Worte zu finden, um ein Gefühl auszudrücken, für das es keine Worte gibt: Schuld.
Märchenhaft, gefühlvoll, visuell eindrucksvoll - da kam dieses Jahr kein anderer Film ran!

© STUDIOCANAL
Duoscope: Dennoch muss man festhalten, dass die schiere Flut Ihrer Filmvorschläge und der mangelnde Inhalt ihrer Aussagen es nahezu unmöglich macht, eine gleichbleibende Qualität zu sichern.

Blockbuster: Aber das tun wir. Wir werden besser. Unsere Filme sind die besten. Und werden immer besser. Alle lieben sie. Alle gucken sie. Die Leute lieben uns. Wir machen die besten Filme mit den besten Zuschauern und den größten Gewinnen.

Duoscope: Nun, innerhalb der Duoscope-Bevölkerung fanden Ihre Vorschläge wenig Resonanz. Mit LOGAN,  und GUARDIANS OF THE GALAXY 2 haben uns gerade einmal zwei Ihrer über zwanzig Vorschläge dieses Jahr wirklich überzeugen können. Weswegen wir gerne Ihren Kollegen der „Couch-Potato-Entertainment“-Partei CPE dazu befragen möchten. Herr Netflix, auch Sie sind Schatzmeister und Vorsitzender Ihrer Partei. Wie erklären Sie sich Ihre enormen Stimmgewinne und die Einbrüche bei der PKU?

Netflix: Also, das ist doch wirklich ganz einfach. Wir liefern all das, was die werten Kollegen von der PKU nicht zustande bekommen. Wir haben spannende Geschichten, wir haben Stars, die schauspielern dürfen, und nicht nur ihre Gesichter vor den Greenscreen halten müssen, und wir nötigen unseren Wählern keine 3D-Brillen auf.
OKJA war vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber dennoch ein Highlight des Jahres, das den Großteil des Kinoangebots hinter sich gelassen hat - und völlig zu Recht auch in Cannes vertreten war. Solange das Kino so defizitiär daherkommt wie aktuell, sollte und muss es sich mit der Streaming-Konkurrenz auseinandersetzen.
© Netflix

Duoscope: Tatsächlich haben Sie dieses Jahr ein überzeugendes Programm vorgelegt, gerade im Spielfilmbereich. DAS SPIEL, 1922, OKJA, MUDBOUND, FREMD IN DER WELT, und sogar BRIGHT, waren fast alle den Angeboten des Kinos überlegen. Ihre Entwürfe zu THE MEYEROWITZ STORIES und WAR MACHINE waren vielleicht etwas weniger brillant, konnten es aber immer noch mit dem Angebot der Kinounterhaltung aufnehmen. Und das sind allein ihre Vorschläge im Filmbereich.

Netflix: Sehen Sie, das ist unsere Stärke: Wir füllen die Lücken in der Filmunterhaltungsgebung, die die PKU ungeschützt und weit offenstehen lässt.

Das künstlerische Jahr


Arthouse: Wenn ich an dieser Stelle einmal etwas einwerfen dürfte …

Duoscope: Natürlich. Frau Arthouse, Kulturbeauftragte der PKU. Auch Sie konnten sich in dieser Wahlperiode mit einigen Vorschlägen Gehör verschaffen.

Arthouse: Und die Wähler haben es uns gedankt. Gerade für die Wähler, die weniger Bedürfnis nach den massentauglichen, ja geradezu populistischen Vorschläge meines Parteikollegen Blockbuster stehen, konnten wir einige wunderbare Entwürfe durchs Plenum kriegen.

Duoscope: Besonders die erste Jahreshälfte wurde da von einigen großartigen Vorstößen Ihres Arthouse-Ministeriums erfüllt: MANCHESTER BY THE SEA, JACKIE, THE SALESMAN, FENCES und MOONLIGHT etwa gehören zum Besten, was Ihre Partei dieses Jahr auf den Weg gebracht hat.

Arthouse: Ja, in der Tat, schon zu Jahresbeginn konnten wir die Wähler überzeugen, und das ganz ohne Schnulz-Effekt!

Duoscope: Wenngleich Sie mit DIE VERFÜHRTEN einen ziemlichen Reinfall hingelegt haben.

Arthouse: In Anbetracht der übrigen Erfolge halte ich eine geringe Menge weniger geglückter Ideen durchaus für vertretbar.

Duoscope: Dennoch konnten Sie Ihren Schwung nicht das ganze Jahr über halten. Besonders über den Frühling und Sommer hinweg kamen von Ihnen so gut wie keine nennenswerten Impulse mehr. Genau diese Schwäche konnte die Fernsehpartei CPE ausnutzen und Ihnen viel an Boden in der Wählergunst nehmen.
Selten war ein Film- (und Fernseh-)Jahr dermaßen von Kontroversen durchzogen, selten hat es Kritiker und Fans dermaßen gespalten. ALIEN: COVENANT, MOTHER!, die dritte TWIN-PEAKS-STAFFEL, STAR WARS 8,  OKJA, THE KILLING OF A SACRED DEER, VALERIAN UND DIE STADT DER TAUSEND PLANETEN, BAYWATCH, DIE VERFÜHRTEN, PASSENGERS, OKJA, BLADE RUNNER 2049, KONG: SKULL ISLAND oder BRIGHT: Die Zahl der Filme, die zutiefst spalteten, war lang.
Auch DUNKIRK liebte oder hasste man. Wir konnten dem drögen, pathetischen Drama trotz toller Bilder und großem, artifiziellen Gehabe nichts abgewinnen.

© Netflix
Arthouse: Das mag man als uninformierter Wähler möglicherweise so sehen. Tatsächlich bündeln wir unsere Kapazitäten. In den Sommermonaten ist niemand an Kultur interessiert, und ich denke, wir haben im Winter bewiesen, dass wir den Wählerwillen noch immer zu befriedigen wissen: Mit MAUDIE, AUS DEM NICHTS, THE BIG SICK sowie ABDUL & VICTORIA haben wir äußerst populäre Wahlprogrammpunkte eingeführt.

Duoscope: Dem steht aber auch ein übertrieben ins Leere laufender Reinfall wie THE SQUARE entgegen.

Arthouse: Nun können Sie aber nicht an einem Punkt ein ganzes Wahlprogramm festmachen. Zumal wir dank BLADE RUNNER 2049 einen äußerst starken Vorschlag herausgebracht haben, den wir gemeinsam mit dem Ministerium von Herrn Blockbuster ausgearbeitet haben.

Blockbuster: Richtig! BLADE RUNNER! Ein großer Film! Der beste Film. Die Leute lieben ihn. Viele Blades, ordentliches Running! Und jede Frau eine Zehn. Ach, manchmal eine Zehneinhalb!

Duoscope: Ja, ihr Vorschlag zu BLADE RUNNER 2049 lud kurz zu dem Gedanken ein, Sie hätten die Wünsche der Wähler verstanden, entpuppte sich dann jedoch, wie so viele Ihrer Ideen, auf den zweiten Blick als wenig nachhaltig.

Blockbuster: Wie meinen Sie das?

Arthouse: Ja, wie meinen Sie das?

Duoscope: Nun, schauen wir uns Ihre Programmpunkte an, die mit viel Tamtam gestartet wurden, denen aber schließlich die Luft ausging, sodass sie jetzt zu Jahresende kaum noch in Erinnerung geblieben sind. DUNKIRK etwa wurde von Ihrer Partei als große Hoffnung in den Wahlkampf geschickt, erwies sich jedoch als hohle Phrase, die mehr versprach, als sie einhalten konnte, und von der heute wenig mehr als eine vage Erinnerung an gut formulierte Bilder geblieben ist.
THE FOUNDER hat sicherlich im ersten Augenblick auch einen guten Eindruck gemacht, inzwischen ist aber nur noch die Feststellung übriggeblieben, dass John Carroll Lynch einen guten Job gemacht hat. WONDER WOMAN war ein starker und lobenswerter Vorstoß in die Frauenquote und wir freuen uns, dass er große Aufmerksamkeit und viele Befürworter gefunden hat, rückblickend hat aber auch er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Blockbuster: Eine Lüge! Ich erinnere mich an jedes Detail: Beine, Bauch – das Gesicht eine klare Zwölf. Solche Gesichter gibt es nur bei uns. Deshalb lieben uns die Leute.

Duoscope: PLANET DER AFFEN: SURVIVAL war für den Moment ebenfalls unterhaltsam, krankt aber ebenfalls unter mangelnder Nachhaltigkeit.
Und dasselbe gilt für Ihren Vorschlag BLADE RUNNER 2049: gute Ideen, und einen Moment ist man gefesselt, doch man wünscht sich weder eine Wiederholung, noch drängt es einen, sich tiefer mit der Materie zu beschäftigen.
Das Jahr gehörte nicht zu Jennifer Lawrences Höhepunkten. Den meisten Flops konnten wir 2017 aus dem Weg gehen, drei Mal waren wir dennoch entsetzt - und zwei Mal war Lawrence beteiligt.
MOTHER! war der Versuch, die Schöpfungs- und Religionsgeschichte als groteske Krawallorgie zu inszenieren, womit zumindest die religiösen Zuschauer ordentlich angetriggert wurden. Wir waren von der platten Metaphorik einfach nur gelangweilt und sind im Kino mehrfach eingedöst.
PASSENGERS wollte eine interessante Liebesromanze sein, war jedoch dermaßen schlecht geschrieben und konzipiert, dass er nur zu einer Rechtfertigung moderner Rape-Culture wurde. Die Moral: Jedes Entführungsopfer verliebt sich unter Isolation in seinen Peiniger! Hurra!
Und die Serie DER NEBEL wollte ... keine Ahnung, was sie wollte, aber ihre viereinhalb guten Ideen verbuddelte sie unter sagenhaft schlechten Schauspielleistungen, Klischeebergen und purer Langeweile. Der Prototyp einer wirklich schlechten Serie.

© (von oben nach unten) Paramount / Sony Pictures Home Entertainment / Netflix

Arthouse: Ich möchte Ihnen widersprechen: Unser Programm war rundheraus leidenschaftlich, wertvoll, und äußerst beliebt!

Duoscope: Nun, nicht in dieser Wählergruppe! Da fehlten die Akzente. Ihr ganzer Wahlkampf litt unter dieser Mittelmäßigkeit: Ja, das ist richtig, es gab kaum Programmpunkte, die wirklich schlecht waren. Unter die wenigen Ausnahmen fallen vor allem ihre Ideen zu PASSENGERS, einem unsäglichen Machwerk, das Liebe mit Entführung gleichsetzt, und MOTHER!, einem dermaßen unsubtilen Machwerk, dass sich einem die Zehennägel kräuseln. Immerhin waren das die einzigen schweren Ausrutscher nach unten.

Das nerdige Jahr


Netflix: Wenn ich endlich etwas sagen dürfte ...?

Genrefilm: Yo! Moment, Freundchen! Was’n mit mir?

Netflix: Was sollte mit Ihnen sein?

Duoscope: Herr Genrefilm, Nerdbeauftragter der PKU – auch Sie konnten im Auftrag der „Partei der Kinounterhaltung“ dieses Jahr mit hervorragenden Vorschlägen punkten.

Genrefilm: Na, aber hallo! Ich hab ordentlich rausgehauen, ne? Ein Kracher nach'm nächsten.

Blockbuster: Wir sind eben die beste Partei der Welt! Auch wenn die Fake-Unterhalter mit ihren Fake-News das Gegenteil behaupten.

Duoscope: Was für „Kracher“ wären das denn?

Genrefilm: Na, also, soll ich das alphabetisch oder nach Farbe sortiert auflisten?
SPLIT hat dem Shyamalan ja wohl das Hammer-Comeback verschafft, und war ein Kracher. SUPER DARK TIMES war 'n grandioser Nostalgie-Ritt in die Neunziger! JUNGLE war ja wohl mal einer der packendsten Thriller des Jahres mit einem superduper Daniel Radcliffe. IT CAME FROM THE DESERT war ein unschuldiges, aber spaßiges und in Kreativität schwelgendes Creature-Feature. COLOSSAL war ein cleveres, ungewöhnliches Stück über Freundschaften, fast schon 'n Drama, mit Riesenmonster und viel Spielfreude. RAW war geil ekelig, französisches Coming-of-Age Drama, mit Ekelmienengarantie. TRAGEDY GIRLS war eine witzige Persiflage auf sämtliche Slasherstreifen. I REMEMBER YOU war fieses isländisches Gespensterkino. LIMEHOUSE GOLEM war ein überbordend ausgestatteter, düsterer Gothik-Thriller. LIFE war packendes Spannungskino. Mit GET OUT und ES habe ich in dieser Wahlperiode ja mal die geilsten Horrorprogramme der letzten Jahre vorgestellt. Bam! Und HAPPY DEATHDAY war auch noch das vielleicht kurzweiligste Gute-Laune-Film-Programm, das wir diese Wahlperiode rausgeballert haben.
Im Genrebereich lag das Filmjahr 2017 ganz weit vorn und bot eine Reihe kreativer und spannender Titel an, darunter etliche Geheimtipps wie den äußerst sehenswerten SUPER DARK TIMES. Die Krone teilen sich jedoch das deutsche Meta-Gangster-Märchen SCHNEEFLÖCKCHEN und die Neuverfilmung des Steohen King Klassikers ES, die beide auch außerhalb des Genrebereichs zu den Jahreshighlights zählen.
© Warner Home Video

Duoscope: Was ist mit SHIN GODZILLA? Einem sehr – ungewöhnlichen Monsterfilm.

Blockbuster: Oh! Viel Text. Viel zu viel Text. Das schlechteste Monster. Ein Ungeheuer von einem Monster! Nein, das war eine Zwei.

Duoscope: Der Wählerschaft hat Ihr SHIN GODZILLA durchaus gefallen.

Genrefilm: Yo, Grazias! Man konnt' sich ja nich' sicher sein, dass die Piepel da draußen sich über den bonbonbunten KONG: SKULL ISLAND wirklich freuen. Also ham wa mit SHIN GODZILLA was mit Inhalt hinzugefügt.

Duoscope: Auch KONG: SKULL ISLAND war trotz vieler Schwächen immer noch einer der besseren Punkte aus ihrem Programm. Aber Sie haben die drei stärksten Entwürfe noch verschwiegen.

Genrefilme: Was'n bitte?

Duoscope: Nun, zum einen natürlich PLAYGROUND. Ein furchtbarer Film, es ist uns ein Rätsel, weswegen Sie den überhaupt ins Wahlprogramm aufgenommen haben.

Genrefilm: Yo, das war krasser Scheiß! Keine Ahnung, wer da gekifft hat. Und den fandet ihr gut?

Duoscope: Nun, er ist nachhaltig. Das intensivste Erlebnis, das Ihre Partei uns je verschafft hat. Auch wenn wir uns nicht wünschen, das öfter zu erleben.

Genrefilm: Kein Ding, so was kommt mir nicht mehr ins Haus.

Duoscope: Und dann wäre da natürlich SCHNEEFLÖCKCHEN.

Deutschfilm: Oh, an dem Programmpunkt habe ich mitgearbeitet!

Duoscope: Und Sie haben beide herausragende Arbeit geleistet. Kaum ein Punkt hat uns so verzaubert wie Ihr SCHNEEFLÖCKCHEN. Einer der Höhepunkte des Wahlkampfes.

Deutschfilm: Dankeschön!

Genrefilm: Yo! Danke! Und, was noch?
Der mit Abstand härteste Film des Jahres, vielleicht des Jahrzehnts: Der polnische PLAYGROUND ist düster, kompromisslos, und zutiefst verstörend. Ein Schlag in die Magengrube, der körperliche Übelkeit hervorruft. Ein Film, der sich die Frage gefallen lassen muss, ob es ihn gebraucht hätte. Vermutlich nicht. Dennoch muss man ihm zugutehalten: Was er im Zuschauer auslösen will, das löst er auch aus, das heißt, er ist exzellent gemacht. Nie zuvor haben wir einen derart schockiert schweigenden Kinosaal erlebt. Und wir sind auch nicht direkt scharf auf eine Wiederholung ...
© Agora (bisher keine deutsche Auswertung)

Duoscope: SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT war ein weiterer Höhepunkt Ihres Programms.

Genrefilm: Echt? Das Ding? Das hat der Schnulz verfasst.

Duoscope: Von Schnulz haben wir da nichts gespürt. Ein ehrliches, wahnsinnig berührendes Statement, voller Ideen und Visionen – bislang der überzeugendste Punkt im Wahlprogramm Ihrer gesamten Partei.

Genrefilm: Naja ... der war schon ganz geil, oder?

Blockbuster: Der beste Film! Der allerbeste!

Das serielle Jahr


Netflix: (Räuspert sich laut) Wenn. Ich. Bitte. Dürfte.

Genrefilm: Yo! Was'n bei dir los? Da war ja wohl tote Hose dies Jahr.

Netflix: Oh, aber nein, wir hatten unsere eigenen Ideen zum Genrebeitrag.

Genrefilm: Abgekupfert habt ihr. Sonst nix. Fiese und hinterfotzig von uns abgeschrieben.

Netflix: Nun, mit BRIGHT, DAS SPIEL, 1922, THE DISCOVERY und OKJA haben wir sehr starke eigene Ideen entwickelt.

Genrefilm: Pft! Abgeschrieben habt ihr Piepel, wie so peinliche Grundschüler! Und was'n mit DEATH NOTE? Peinlich war das!

Netflix: Sagt der Herr, der RINGS auf den Weg gebracht hat. Und FLATLINERS. Ihre Partei hat sich doch damit bis auf die Knochen blamiert.

Genrefilm: Aufgeblasener Fernsehfuzzi!

Netflix: Ich muss doch sehr bitten!

Duoscope: Wir freuen uns immer über regen Austausch, möchten aber zurück zum Thema kommen! Herr Netflix, Ihre Partei konnte dieses Jahr vor allem mit einem Thema landen, das bei der PKU traditionell keinerlei Raum findet: Ihre Entwürfe der Serienplanung. Da hatten Sie dieses Jahr einige der stärksten Ideen Ihrer Parteigeschichte.
Mit MINDHUNTER meldet sich David Fincher nach langer Zeit wieder mit einem Meisterwerk zurück ... im Fernsehen. Die Serie über die Geburt des FBI-Profiling fesselt ohne aufgeblasene Schauwerte mit packender Atmosphäre, spannenden Figuren und cleveren Dialogen. Eines der absoluten Jahreshighlights.
© Netflix

Blockbuster: Was für Fake-News sind das denn? Lassen Sie sich nichts vormachen, wir haben die besten Serien. Eigentlich haben die anderen keine Serien, nur wir. Und wir haben die großartigsten Serien: Das Marvel-Cinematic-Universe, das Karibik-Fluch-Cinematic-Universe, das Universal-Monster-Cinematic-Universe, das Autorennen-Familien-Cinematic-Universe, das Riesenmonster-Cinematic-Universe, das Porg-Witzebuch-Cinematic-Universe, das Jason-Momoa-Gal-Gadot-Brust-Raus-Cinematic-Universe, das Verwandlungsroboter-Blechschaden-Cinematic-Universe … Wir stecken voller toller Serienideen! Den besten Ideen! Die Leute lieben unsere Ideen! 

Duoscope: Ja … nun … Herr Netflix, möchten Sie beginnen?

Netflix: Vielen Dank! Ich möchte dazu anmerken, dass es sich bei unserem Serienvorstoß um ein gesamtparteiliches Programm handelt, an dem auch die Ministerien der Herren Amazon, Sky und Standardfernsehen mitgearbeitet haben. Gemeinsam konnten wir die Wähler von unseren Vorstellungen überzeugen.

Amazon: Yeehaw! Da kriegen Sie was geboten!

Sky: Nun. Ja. Wir haben uns Mühe gegeben. Angestrengt. Das war gut. Das kann sich sehen lassen.

Standardfernsehen: Es hat uns viel Freude bereitet beteiligt gewesen zu sein.

Duoscope: Also, wir haben hier eine ganze Liste von Vorstößen im Serienbereich, die zu großen Teilen alles übertrumpft haben, was die Kino-Partei anbieten konnte. Da wären mit ALIAS GRACE und BIG LITTLE LIES zwei hervorragende Serienprogramme, die den weiblichen Wählern mehr Aufmerksamkeit zollten.

Blockbuster: Pft! Die Frauen würde ich nicht küssen. Die sind höchstens eine Drei, damit beschäftige ich mich nicht.

Duoscope: Sie sind ja auch gar nicht an der Reihe. Inhaltlich kam kein einziger Programmpunkt der Kino-Partei an die brillanten CPE-Beiträge von THE DEUCE, GLOW, MINDHUNTER, AMERICAN GODS, dem zweiten Zusatzparagraphen von STRANGER THINGS, MANHUNT oder den dritten FARGO-Zusatzartikel heran.
Aus dem Ministerium der deutschen Gesetzgebung fanden sich mit DAS VERSCHWINDEN, BABYLON BERLIN und vor allem DARK drei der besten Vorschläge des gesamten Wahlkampfes im Programm der „Couch-Potato-Entertainment“. Ihr siebenter Zusatzparagraph von GAME OF THRONES mag bei anderen Wählerstämmen für Unmut gesorgt haben, konnte die Duoscope-Bevölkerung jedoch, von einigen wenigen Formulierungsfehlern abgesehen, durchweg überzeugen. Und selbst der fünfte Formulierungszusatz von HOUSE OF CARDS war wieder wesentlich überzeugender als die vorhergehenden.

Netflix: Unsere Parteispitze legt viel Wert darauf, sich gerade in diesem Bereich von der PKU abzuheben – erfreulicherweise mit Erfolg.

Duoscope: Ihren überzeugendsten Programmpunkt haben Sie aber noch nicht einmal angesprochen: Nach langer Zeit haben Sie einen Entwurf für den dritten Zusatzparagraphen ihrer TWIN-PEAKS-Verordnung herausgebracht – und damit bei den Wählern für viel Freude und Spaß gesorgt. Jeder Absatz für sich war ein Vergnügen und Highlight, auf das wir uns wieder und wieder gefreut haben, und mit dem 8. Absatz haben Sie, gelinde gesagt, Geschichte geschrieben. Etwas Derartiges wurde noch nie zuvor in irgendeiner Art formuliert oder in ein Wahlprogramm integriert. Wir müssen Ihrer Partei in diesem Falle von ganzem Herzen gratulieren.
Die 8. Episode der dritten TWIN-PEAKS-Staffel erzählt eine Art Origin-Story, wie Bob auf die Welt kam, und gehört zum Besten und Absurdesten, was es bisher in fast 70 Jahren Fernsehgeschichte zu sehen gab. Ein Meilenstein!
© Showtime

Standardfernsehen: Das war meine Idee. Ich habe wirklich lange daran gearbeitet.

Duoscope: Ja, das haben Sie. Und wir möchten die Chance nutzen, Ihrer Partei zu den denkwürdigen parteimoralischen Entscheidungen dieser Wahlperiode zu gratulieren.
Ihr Entwurf zu TWIN PEAKS hat sich nicht nur den weiblichen Teilnehmern gewidmet, sondern vor allem den Senioren. Nie zuvor – mit Ausnahme Ihrer legendären GOLDEN-GIRLS-Programme der Achtziger – haben Sie derartig alte Parteigenossen an der Entstehung eines Entwurfs mitarbeiten lassen.
Wir möchten auch das wunderbare Programm UNSERE SEELEN BEI NACHT erwähnen, das die ehemalige Doppelspitze Jane Fonda und Robert Redford ein letztes Mal hervorstechen ließ. Und tatsächlich waren die Teilnehmer Ihres TWIN-PEAKS-Programms so überaltert, dass bei Erscheinen der Vorlage etliche der Beteiligten nicht mehr am Leben waren.
So oder so: Es ist Ihnen gelungen die Seniormitglieder Ihrer Partei konstruktiv und packend in die Gesetzgebung einzubinden. Genau das fehlt der „Partei der Kinounterhaltung“ bisher.

Standardfernsehen: Ja, nun, nach über zwanzigjähriger Arbeit an dem Entwurf … die meisten der Originalmitglieder sind älter geworden.

Das Jahr der Frauen


Duoscope: Bevor wir zum Ende kommen, möchten wir dennoch noch einmal auf die besonderen Bedingungen dieses Wahlkampfes zu Sprechen kommen. Auf der einen Seite wäre da etwas Erfreuliches festzustellen. Wie schon im Wahlkampf 2016 waren Ihre Parteien beide bemüht, den weiblichen Mitgliedern Raum zu bieten.

Blockbuster: Nun, Frauen sind wichtig! Wenn sie nicht wären, wenn könnte ich dann küssen? Verstehen Sie? Knickknack!

Duoscope: Ja. Nun. Sie speziell haben den weiblichen Parteimitgliedern weniger Aufmerksamkeit gewidmet.
WONDER WOMAN war eines der großen Phänomene des Jahres und könnte ein echter „Gamechanger“ in Hollywood werden. Mit Platz 9 der umsatzstärksten Filme des Jahres wurde er zum finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten, bei dem eine Frau Regie führte, und eine weibliche Figur die Hauptrolle innehatte. Dass der Film nur Superhelden-Durchschnitt war, spielt dabei kaum eine Rolle - personalpolitisch ein Meisterwerk. Bitte mehr davon!
© Showtime

Blockbuster: Oh, ich bin sehr aufmerksam. Ich sehe alles. Jedes Gramm zu viel, jedes Haar an Stellen, wo es nicht hingehört, jeden traurigen Gesichtsausdruck, der sie hässlich macht. Also, nicht, wenn die Frau eine Elf oder drunter ist, denn ich gucke mir nur Frauen genau an, die wenigstens eine Zwölf sind. Aber die hässlichen guckt ja niemand gerne an.

Duoscope: Wir meinten eher eine Würdigung ihrer Werte.

Blockbuster: Ich auch. Ich würdige jede Frau ab einer Zwölf. Sagte ich doch eben.

Duoscope: Wie dem auch sei … Über beide Parteiprogramme hinweg haben wir einige besonders für Frauen reizvolle Programme gefunden. Da wäre bei der PKU besonders das Wahlprogramm DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT zu nennen, noch einmal WONDER WOMAN, aber auch MAUDIE, JACKIE, RAW, HIDDEN FIGURES und sogar das Programm HAPPY DEATHDAY. Es gab erneut jede Menge interessanter Programmpunkte, die vornehmlich von Frauen bestimmt wurden und ihnen interessante Rollen bot.

Blockbuster: Also, ich erinnere mich an WONDER WOMAN – wunderbare Beine –, aber der Rest ist mir aktuell nicht so vertraut.

Duoscope: Das können wir uns vorstellen. Aber auch die „Couch-Potato-Entertainment“-Partei CPE hat uns mit von Frauen erstellten Programmpunkten wieder deutlich überzeugen können: Ganz vorneweg natürlich BIG LITTLE LIES und das herausragende GLOW, beides die Speerspitzen Ihres Wahlprogramms. Aber auch ALIAS GRACE, THE DEUCE, DAS SPIEL und natürlich THE HANDMAID'S TALE waren sehr weiblich beherrschte Programmpunkte. Wie schon im Wahljahr 2016 schienen auch dieses Mal die weiblichen Rollen bei der Programmerstellung die besseren gewesen zu sein, mit mehr Substanz.
In einem Jahr mit ohnehin vielen herausragenden Serien entpuppte sich GLOW nochmal als Highlight. Großartige Drehbücher mit grandiosen Dialogen, liebenswerten Figuren und ein congenialer Cast lassen die Achtziger wieder lebendig werden und machen GLOW zur besten Feel-Good-Serie der letzten Jahre. Und das Beste daran: Endlich stehen die Frauen mal im Mittelpunkt und haben interessantere Themen als einen Mr. Big oder McDreamy!
© Netflix

Arthouse: Ich arbeite weiter daran, hier ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

Duoscope: Und abschließend müssen wir einfach über das Reden, was die Wahlperiode neben den Inhalten bestimmt hat.
Gleich zu Beginn der Wahlperiode ereignete sich ein peinlicher Zwischenfall auf dem jährlichen Oscar-Parteitag der „Partei der Kinounterhaltung“, als öffentlich das falsche Spitzenprogramm 2016 verkündet wurde. Mit Sicherheit hätte niemand von Ihnen erwartet, dass sich zu Ende des Wahljahres niemand mehr an diesen Skandal erinnern würde, und dass der Weinstein-Skandal das Jahr derart beherrschen würde. Ein Skandal, der Ihrer beider Parteien bis ins Mark erschüttert hat.
Die Frage die nun bleibt, ist: Wird der Skandal die Art und Weise ändern, wie Ihre Programme künftig aufgestellt werden?

Blockbuster: Wieso? Ich sehe keinen Grund dazu. Solange die Weiber gut aussehen, brauchen wir keinen Skandal zu befürchten.

Duoscope: Herr Blockbuster, wir denken, Sie vergreifen sich im Ton.

Blockbuster: Oh, natürlich. Schon ein alter Kollege hat mich stets daran erinnert, ich soll zu den Chicksen nicht immer „Weiber“ sagen.

Arthouse: Das ist ein komplexes Thema, das wir an dieser Stelle nicht unbedingt erörtern sollten.

Netflix: Also, wir haben bereits personelle Konsequenzen gezogen.

Amazon: Yeehaw. Und wir erst mal.

Genrefilm: Bei uns haben die Girls ohnehin das finale Wort!

Duoscope: Wir verstehen das so, dass Sie zumindest bemüht sein werden, derartige Skandale in Zukunft zu vermeiden. Wir werden sehen, was der diesjährige Oscar-Parteitag der PKU zu dem Thema zu sagen haben wird, und die Sache auch sonst im Auge behalten.

Und zum Schluss ...


Vielen Dank für Ihr Erscheinen. Wir denken, damit haben wir die letzte Wahlperiode erschöpfend besprochen. Zusammenfassend möchten wir noch erklären, welches unsere liebsten Programmpunkte dieses Wahljahres waren. Die „Partei der Kinounterhaltung“ konnte uns vor allem mit ihren Programmvorschlägen zu SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT, MANCHESTER BY THE SEA, JACKIE, MOONLIGHT, DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT, LOGAN, SCHNEEFLÖCKCHEN und ES überzeugen. Eine Sonderposition nimmt PLAYGROUND ein, der uns noch lange beschäftigen wird, ohne dass wir ihn wirklich empfehlen möchten. Als Videopremiere blieb uns besonders der clevere und beinahe anrührende TRAIN TO BUSAN in Erinnerung.
Unsere Schauspielleistungen des Jahres: Sally Hawkins liefert in dem kleinen Drama MAUDIE eine Leistung zum Niederknien hin und erweist sich aktuell als eine der besten ihrer Zunft. Auch Diane Kruger überzeugt uns in AUS DEM NICHTS erneut davon, dass sie mittlerweile zu den besten deutschen Schauspielerinnen gehört. Jessica Chastain hatte zwar ein ruhiges Jahr, konnte aber im großartigen DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT zeigen, dass sie immer noch zur Weltelite gehört.
Bei den Herren hat uns vor allem Kyle MacLachlan überzeugt, der in der dritten TWIN-PEAKS-Staffel eine Glanzleistung hinlegt, und dem es gelingt, seine Coopers gleichermaßen herzerwärmend, witzig, mitleiderregend, bösartig und bedrohlich wirken zu lassen. Eine Glanzleistung! Casey Affleck und Lucas Hedges legen jeder für sich eine großartige Leistung in MANCHESTER BY THE SEA hin, doch gerade im gemeinsamen Wechselspiel gerät das Duo zu einem der ganz großen Hingucker des Jahres. Und Hugh Jackman verleiht seinem LOGAN zum Abschluss der Saga noch einmal so viel Schmerz und Menschlichkeit, dass er die Zuschauer förmlich in den Sitz presst. Ohne sichtbare Anstrengung macht er aus einem Comichelden eine der dramatischsten Figuren des Kinojahres!
Wohlwollend möchten wir außerdem noch James McAvoys Leistung in SPLIT und Natalie Portmanns eigentlich oscarwürdige Leistung in JACKIE hervorheben!

© (von l.o. nach r.u.) EuroVideo Medien GmbH /
Warner Bros. Pictures Germany / Universum Film GmbH / Showtime / Universal Pictures Germany GmbH / 20th Century Fox Home Entertainment

Doch unser persönlicher Wahlsieger bleibt dieses Jahr die „Couch-Potato-Entertainment“. Ihre Spielfilmprogramme MUDBOUND, UNSERE SEELEN BEI NACHT, DAS SPIEL und 1922 waren äußerst überzeugend.
Am überzeugendsten jedoch war dieses Jahr das Serienprogramm der CPE: Hier gehörten TWIN PEAKS, BIG LITTLE LIES, das wunderbare GLOW, DARK, BABYLON BERLIN, DAS VERSCHWINDEN, das düstere MINDHUNTER, MANHUNT, STRANGER THINGS, FARGO und ALIAS GRACE zum Unterhaltsamsten und Nachhaltigsten, was dieses Jahr um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt hat.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass 2017 kein herausragendes Jahr für die „Partei der Kinounterhaltung“ war, in der die Partei wenige Highlights setzen konnte. Allerdings haben wir auch nur wenige Pleiten zu verzeichnen – wohl auch, weil wir den meisten aus dem Weg gehen konnten. Gerade diese „Joa, nicht schlecht, aber wenig echte Highlights“-Situation macht die Partei dieses Jahr zum Wahlverlierer

Die Wahlperiode 2018 bleibt umso spannender, als der Kampf der Partei der Kinounterhaltung und Couchpotato-Entertainment sich weiter verschärfen wird. Solange Herr Blockbuster an der Parteispitze steht, erwarten wir einen weiteren Sieg der Sofakartoffeln, lassen uns aber überraschen. Schon jetzt haben beide Parteien spannende Programme angekündigt, auf die wir uns freuen können.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern ein einen guten Start in ein gesundes Jahr 2018, viel Spaß, gute Filme, Serien und anderes Zeug, und immer dran denken: Es ist nur Unterhaltung!

Frohes Neues, eure Duoscope-Redaktion!

Kommentare:

  1. Großes Kino. Der Beitrag wird gleich doppelt so lustig, wenn man "Mr. Blockbuster" gedanklich mit Donald-Drumpf-Stimme liest. Toller Jahrsrückblick, auch wenn ich nicht ganz mit euch übereinstimme. THE SQUARE finde ich zum Beispiel super.

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    1. Ha, Dankeschön!! :) Ja, die Ähnlichkeit zu lebenden Politikern ist nicht gänzlich zufällig. :D Und du hast recht, THE SQUARE gehört auch noch zu den kontroversen Filmen des Jahres, die ebenso gemocht wie nicht gemocht werden. Dahingehend wirklich ein interessantes Jahr. :)

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